Unser Projekt
Bildung ist der sicherste und kürzeste Weg aus der Armut heraus

Ich durfte den Ärmsten der Armen von 1995 bis 1997 insgesamt 15 Monate lang in einem Sterbehaus und in einer Leprastation bei Mutter Teresa in Kalkutta dienen. Seit dieser Zeit war ich schon 25 Mal in Calcutta. Das letzte Mal im Mai 2016, um für die Ärmsten der Armen tätig zu sein.



Die Gründung
Im Jahr 1996 kam ich in Kontakt mit einer ausgebildeten Lehrerin namens Veronica Jose. Sie lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern, die mittlerweile verheiratet sind, in einem Slum in Kalkutta-Howrah. Veronica ist eine zutiefst von Gott ergriffene Frau, die ihr sprichwörtlich letztes Hemd den Armen gibt. Für mich ist sie wahrhaftig eine „Mutter der Armen.“ 1996 gründeten wir gemeinsam die St. Josef-Schule. Ich bin mit der Schule eng verbunden und leite dieses Projekt von Deutschland aus gemeinsam in enger Abstimmung mit Veronica und ihrem Mann Jose. Veronica und ihr Mann haben in Kalkutta alle erforderlichen Kompetenzen. Im Jahre 1996 wurde in Kalkutta unser Trägerverein Manav Vikas Samiti gegründet. Im Jahr 2003 wurden wir von den Behörden in Neu Delhi als NGO anerkannt. Dies ermöglicht uns, problemlos Devisen einzuführen.
Die St. Josef-Schule liegt in einer der größten Slumgebiete in Kalkutta, in Howrah-Pilkhana. Dort leben mehr als 100.000 Menschen in Slumhütten und in völlig verwahrlosten und zum Teil auch illegal hochgezogenen Häusern. Für 100 Menschen gibt es vielfach nur eine Toilette und einen Wasserhahn. Der Monsun, der von Mitte Juni bis Mitte September dauert, bringt Stuhlgang, Urin, tote Tiere und Ratten über die offene Kanalisation in die erbärmlichen Hütten. Die Kinder unserer Schule leben alle in Slumhütten aus Lehm, Blech, Unrat und verschiedenen Abfällen oder in einem dieser völlig verwahrlosten Hochhäuser. Eine Hütte misst etwa acht bis zwölf Quadratmeter und beherbergt sechs bis zehn Personen.




Unsere Schule
Wir freuen uns, dass wir die Möglichkeit haben, Kindern durch die Grund- und Mittelschule bis Klasse 7 sowie eine Vorschulklasse eine Basis an Bildung geben zu können. Nach der Grundschule versuchen wir die Kinder auf fortführende Schulen zu schicken und finanzieren durch die Hilfe der Freunde der Schule die Schulgebühren, Bücher etc..
Viele unserer Schulkinder sind momentan auf fortführenden Schulen. Hier ist der Leitsatz wieder sehr wichtig: Der Schulweg ist der kürzeste und sicherste Weg aus der Armut heraus.

Die Kinder kommen von Montag bis Freitag zu uns in die Schule und werden in Lesen, Rechnen und Schreiben, Hindi, Bengali, Englisch, Hygiene und in allgemeinbildenden Fächern unterrichtet. Die Schule ist für unsere Schüler kostenlos, während sie normalerweise in Indien Geld kostet. Somit bleibt den Ärmsten der Armen der Weg zur Bildung und zu einem menschenwürdigen Leben verbaut. Ohne Bildung bleibt den Armen nur ein Leben in Unterdrückung und Ausbeutung. Die Schüler bekommen bei uns alle Lehrmittel wie Bücher, Schreibwaren etc. gestellt. Des Weiteren werden alle Schüler und bei Bedarf deren Familien medizinisch grundversorgt. Wenn Operationen oder Arztbesuche anstehen, versuchen wir die Kosten durch Spenden unserer Freunde der Schule zu decken. Ein Familienvater verdient im Monat zirka 20 Euro. Das Geld reicht aber nicht einmal für das tägliche Brot aus. Ein Kilo Reis kostet im Moment 40 bis 50 Cent, ein Liter Milch 30 Cent und ein Kilo Fleisch zwei Euro.




Ein leerer Magen hat keine Ohren
Hier möchte ich Ihnen allen eine wichtige, für uns doch so normale Erkenntnis mit auf den Weg geben: Ein leerer Magen hat keine Ohren. Hungrige Kinder können nicht wirkungsvoll lernen. Also bekommen die Schulkinder bei uns von Montag bis Freitag eine warme, vollwertige und nahrhafte Mahlzeit. Mittlerweile fördern wir 162 Familien mit wöchentlichen Nahrungsrationen, das sind aktuell zehn Familien mehr als letztes Jahr. Von dieser Hilfe profitieren über 500 Menschen. Sie bekommen immer am Dienstag einen “Esskorb“ mit drei bis fünf Kilogramm Reis, etwa ein Kilogramm Dall (Linsen), drei bis fünf Eier, ein bis zwei Kilogramm Kartoffeln und manchmal auch Waschseife und Öl zum Kochen. Für diese Familienhilfe benötigen wir im Jahr zirka 22 Tonnen Reis, 2 Tonnen Dall (Linsen), vier Tonnen Kartoffeln, 32.000 Eier, etwa 1000 Kilogramm Waschseife zum Wäschewaschen und mehrere 100 Liter Öl. Unsere Schulkinder kommen überwiegend aus diesen Familien.




Die Nähschule
Zu unserem Hilfsprojekt gehört ebenfalls eine Nähschule, in der wir junge Mädchen im Alter von 14 bis 19 Jahren zu Schneiderinnen ausbilden. Bis jetzt haben wir schon mehr als 600 jungen Mädchen ein Schneiderinnenzertifikat (welches vor Ort anerkannt ist) überreicht. Auch die Mädchen wissen nicht, was es heißt, täglich zu essen.
Die neun Lehrer, die wir angestellt haben, leben alle selbst im Slum und vermitteln den Kindern ausgezeichnete Kenntnisse in der Schneiderei und in anderen Fächern. Mit dieser Ausbildung haben die Schneiderinnen eine gute Grundlage, ein menschenwürdigeres Leben zu führen. Ungefähr 75 Prozent der ausgebildeten Schneiderinnen haben eine feste Anstellung gefunden, die anderen haben immer wieder temporär eine Arbeit. Dies bedeutet, dass sie bei einer Festanstellung zirka 50 Euro im Monat verdienen. Dies reicht aus, um dreimal täglich zu essen, im Notfall zum Arzt zu gehen und auch mal die Kleidung zu wechseln. Dies ist für die Ärmsten der Armen ein riesiger Schritt aus dieser niederdrückenden Armut.




Ihre Hilfe
Für unseren kleinen Dienst für die 205 Kinder brauchen wir natürlich finanzielle Mittel. Mit diesen „geringen“ Mitteln können wir jedoch sehr viel bewirken. Uns ist bewusst, dass wir nur ein kleiner Tropfen im Ozean der Armut sind. Dennoch werden wir nicht müde, weiter für die von Leid und Elend gekennzeichneten Kinder und deren Familien einzustehen. Ich möchte euch allen sagen, dass wir natürlich in erster Linie einen Auftrag für die Bildung der Kinder haben. Jedoch wird immer deutlicher, dass wir dieses Thema nicht isoliert von den anderen wichtigen Lebensthemen betrachten können. Einem Kind nützt die Bildung in der Schule nichts, wenn es nicht ausreichend essen kann, dann wird es krank. Auch nützt dem armen Kind die Bildung nichts, wenn es aufgrund einer Augenerkrankung erblindet oder aufgrund von Tuberkulose stirbt. So fallen immer vielfältigere Aufgaben für uns alle an, damit wir den Kindern langfristig helfen können. Diese vielfältigen Zusatzaufgaben, die ich kurz angesprochen habe, sind in unserer jährlichen Ausgabenplanung nicht berücksichtigt. Wir können dies nur tun, weil es immer wieder überraschende Einzelspenden gibt, die besonders auch für medizinische Hilfe gegeben werden.

Stand Juni 2016