Die St. Josef-Schule in Calcutta/Indien 2013

Hilfe für die Ärmsten der Armen, die Kinder und deren Familien, in einer der ärmsten Slums in Kalkutta



Liebe Freunde der Slumschule in Calcutta,
Ich freue mich sehr, euch die neuesten Eindrücke aus Kalkutta mitzuteilen. Im Frühling dieses Jahres war ich nun zum 22. Mal in Kalkutta. Wir freuen uns alle sehr, dass die Schule nun schon 17 Jahre besteht und vielen Kindern die Möglichkeit für eine menschenwürdigere Zukunft bietet. Ohne alle eure Opfer wäre dies nie möglich geworden. Dieses Jahr konnte noch mehr Hilfe auf den Weg gebracht werden als im vergangenen Jahr. Wenige Tage bevor ich nach Kalkutta flog, kamen noch mehrere kleine und grössere Spenden herein.
Wir haben insgesamt knapp 45.000 Euro erhalten und nochmals 20.000 Euro zusätzlich für die Erweiterung der Schule, was eurer Liebe und Opferbereitschaft für die Ärmsten der Armen zu verdanken ist. Das ist wirklich grossartig. Im Vorfeld hatten wir alle schon lange die Hoffnung, dass wir die Schule erweitern können, um nach der Grundschule den Kindern einen Anschluss bei uns in der Schule zu ermöglichen. Ich dachte mir damals, wenn nun so viel Geld zusätzlich zusammen kommt, dann ist es nun an der Zeit, diesen Schritt zu wagen und entsprechende Räumlichkeiten zu suchen. Im Slum selber ist es nahezu unmöglich, einen Raum zu finden, weil dort unglaublich viele Menschen auf nicht vorstellbar beengten Flächen leben. 8 Personen in einem Raum von 8 bis 10 Quadratmetern ohne Wasser und vielfach ohne Strom, ist im Slum Normalität.
Unsere Schulleiterin Veronika teilte mir im Februar mit, dass in dem Haus, in dem sich unsere Schule inmitten des Slums befindet, 2 Wohnungen zu Verfügung stehen. Welch ein Segen, dachte ich. Zusammen haben diese Wohnungen eine Fläche von 130 Quadratmetern. Im März 2013 konnte ich dann in Kalkutta gemeinsam mit Veronika und ihrem Mann die Verhandlungen mit dem Hausbesitzer führen.
Wir kennen ihn, seitdem es die Schule gibt. Zuerst wollte er einen überhöhten Preis von uns. Schlussendlich konnten wir für den Preis von 20.000 Euro, was normalerweise eine 3-Zimmerwohnung als Eigentum in diesem Gebiet kostet, eine zweite Wohnung zusätzlich erwerben. Somit haben wir das Geld, das uns anvertraut wurde, zur Schulerweiterung sehr sinnvoll eingesetzt. Aus den Wohnungen entstehen nun gerade 3 Klassenzimmer und 2 WCs. Die Umbauarbeiten sind fast abgeschlossen. Im Januar beginnt das neue Schuljahr in Kalkutta und dann starten wir auch mit der 5. Klasse und im kommenden Schuljahr dann mit der 6. Klasse. Wir haben nun nicht mehr 140 Kinder in der Schule, sondern 160 zusammen mit der Nähschule. Nächstes Jahr werden es dann 180 Kinder sein. Ich bin sehr glücklich, dass wir - dank euch - so vielen Kindern eine menschenwürdigere Zukunft eröffnen können. „Wir wissen, wir sind nur ein Tropfen im Ozean der Armut, wäre dieser aber nicht, würde man ihn vermissen.“ (Mutter Teresa)
Mittlerweile fördern wir jede Woche 105 Familien mit Nahrungsrationen, das sind nochmals 11 Familien mehr als letztes Jahr. Von dieser Hilfe profitieren über 500 Menschen. Sie bekommen immer am Dienstag einen “Essenskorb“ mit 3-5 kg Reis, 1/2 kg Dall (Linsen), 4 Eier, 1-2 kg Kartoffeln und 1 mal im Monat Waschseife und manchmal auch Öl zum Kochen. Für diese Familienhilfe benötigen wir im Jahr ca. 15 Tonnen Reis, 2-3 Tonnen Dall, über 20.000 Eier, ca. 1-2 Tonnen Wachseife zum Wäsche waschen und ca. 400 Liter Öl.
Das kommende Jahr wird die Schule vor viele Herausforderungen stellen. Aktuell gibt es in Indien so viele Menschen wie nie zuvor, die an Hunger leiden. In der internationalen Presse wird von einer Zahl von 700 Mio. Menschen gesprochen, bei einer Gesamtbevölkerung von 1,1 Mrd. Menschen. Die indische Regierung spricht von 350 Mio. Menschen, die weniger als 1 Dollar am Tag zu Verfügung haben. Aktuell im Oktober 2013 kostet der billigste Reis ca. 50-60 Cent pro Kilo.
Der Indische Rupie hat innerhalb eines halben Jahres 20% an Wert verloren und es gab aufgrund des sehr heftigen Monsuns eine grosse Missernte. Die Ärmsten der Armen wissen oft weder ein noch aus. Ich sagte Veronika, ich möchte auf keinen Fall, dass die Lebensmittelrationen für die Familien und auch die Mahlzeiten in der Schule gekürzt werden. Irgendwie wird sich bestimmt wieder eine Tür öffnen. Mich hat dies sehr traurig und betroffen gemacht. Ohne eure Hilfe wären viele Kinder nicht mehr am Leben oder schwer erkrankt, ebenso deren Eltern. Der Hunger ist täglich zugegen bei den Familien im Slum. All die Familienväter, wie auch die Mütter werden vielfach für einen Hungerlohn ausgebeutet. Ein Monatslohn von 20-25 Euro bei über 60 Wochenstunden ist üblich im Slum.
Selbst habe ich 5 Kinder. Wenn ich in Kalkutta bin, kann mein Herz vielfach die Tränen nicht verbergen und sie laufen dann einfach übers Gesicht, wenn ich diese Not sehe. Momentan sind 60 Kinder auf fortführenden Schulen, das sind 23 weniger als im vorherigen Jahr, weil wir nun selbst die 5. und dann die 6. Klasse anbieten werden. Die Kinder auf fortführenden Schulen werden mit Stipendien unterstützt, dank eurer Grossherzigkeit. Durch den Start der 5. Klasse benötigen wir für ein Schuljahr mit einer zusätzlichen Klasse von 20 Kindern, allen Mahlzeiten und Materialien, inklusive Lehrergehälter ca. 4000 Euro zusätzlich pro Jahr. Die Kosten für alle Aufgaben, die am Schluss aufgelistet sind, belaufen sich von April 2014 bis April 2015 auf ca. 45.000 Euro.
Ohne Bildung ist das Entrinnen aus dem „Teufelskreis“ der Armut nicht möglich. Es bleibt ihnen dann nur ein Leben in Ausbeutung und Unterdrückung.
Wir sind sehr bemüht, die Schüler weiter zu bilden, um eine gute Perspektive für eine ordentliche Arbeit bei einem anständigen Lohn zu ermöglichen. Allen ist bewusst, dass der sicherste und kürzeste Weg aus der Armut der Schulweg ist.
Ich freue mich auch sehr darüber, dass alle Mädchen, die bei uns eine Schneiderinnenausbildung gemacht haben im letzten Jahr eine Stelle gefunden haben oder genug Aufträge erhalten haben, um ein menschenwürdigeres Leben zu führen. Die ausgebildeten Schneiderinnen haben nun vielfach ein Monatseinkommen von 50 Euro.
In diesem Jahr konnten wir 19 Menschen das Augenlicht erhalten bzw. wieder schenken. Einige unserer Schulkinder, aber auch deren Eltern leiden unter dem Grauen Star. Ohne eine Operation wären sie erblindet. Ich möchte mich herzlich dafür bedanken, dass durch all eure Opfer diese Hilfe möglich wurde. Eine Operation am Grauen Star kostet 150 Euro. Ich habe alle armen Menschen im Slum besucht, die in den letzten Jahren an den Augen operiert wurden. Sie alle sehen wieder sehr gut und haben keine Komplikationen. Das ist doch wunderschön. Insgesamt haben wir nun in den letzten Jahren 41 Menschen vor Blindheit bewahren können.
Nach wie vor sind die medizinischen Kosten für die Armen eine echtes Problem. In Indien gibt es keine gesetzliche Krankenkasse wie bei uns. Wer kein Geld für eine Behandlung hat, stirbt. Von dieser bitteren Realität sind viele Kinder und deren Eltern betroffen. Ich habe zu einer sehr engagierten Ärztin, die ehrenamtlich für den Verein „Interplast“ arbeitet, Kontakt. Sie war im Winter mit 7 Ärzten in Kalkutta und hat dort ehrenamtlich 5 Tage lang arme Menschen operiert. Dafür wurden mehrere Operationssäle in einem Krankenhaus angemietet. Durch den persönlichen Kontakt war es möglich, drei Kinder und eine Mutter unserer Schule dort operieren zu lassen. Alle diese Operationen wurden an deformierten Händen unternommen. Die Eingriffe sind ausgezeichnet verlaufen. Ich habe diese Kinder im März in Kalkutta besuchen können und alle haben die volle Beweglichkeit ihrer Hände zurückerlangt. Dies ist grossartig.
Einer Mutter mit massivsten Verbrennungen konnte auch geholfen werden. Ihr Name ist Kajol (25). Sie wurde mit Kerosin übergossen, da die Mitgift nach der Hochzeit nicht an die Schwiegereltern bezahlt werden konnte. Welch eine schreckliche Tat! Ich habe die Frau gesehen nach der ersten Operation. Veronika machte mich auf sie aufmerksam bei einem Telefonat im Herbst 2012. Der Hals war mit dem Oberkörper verschmolzen. Den Ärzten ist es gelungen, ihn wieder zu lösen. Sie kann den Hals wieder frei bewegen.
Dieses Jahr erfolgt im Winter nochmals eine weitere Operation des Interplastteams. Kajol war sehr glücklich, dass dies für sie möglich wurde. All diese Operationen sind kostenlos. Die deutschen Ärzte operieren nur, wenn die Operation „kein“ Risiko darstellt.

Durch meine mehr als 13-jährige Tätigkeit im Gesundheitswesen in der Schweiz konnte ich immer wieder neue und gute Kontakte knüpfen. Die Vorsehung meinte es gut und brachte mich in Kontakt mit Menschen aus der Schweiz, die sich sehr für das Schulprojekt interessieren. Momentan entsteht gerade ein wunderschöner Jahreskalender 2014 mit Bildern unserer Schulkinder. In der Herstellung kostet ein solcher 9,50 Euro.

Ich muss aber kein bestimmtes Kontingent abnehmen, sondern kann immer wieder die Anzahl bestellen, die angefordert wird. Somit sind nie Kosten fällig, die von Spenden finanziert werden müssten. Nach wie vor bleibe ich dem Grundsatz treu, dass kein Geld für Verwaltung ausgegeben wird. Alles was an Verwaltungskosten anfällt, wie Flüge, Porto, Broschüren, etc. wird von meiner Familie selbst getragen und dies soll auch so bleiben, damit jeder einzelne Cent bei den Armen ankommt. Dadurch, dass auch einige Menschen in der Schweiz bereit sind, die Schule zu unterstützen, gibt es nun auch dort ein Konto für die Schule. Ich freue mich sehr, dass im November 2012 der gemeinnützig anerkannte Förderverein St. Josefschule Calcutta in der Schweiz gegründet werden konnte.
Durch die Tätigkeit in Kalkutta lernt man immer wieder ganz liebe Menschen kennen. Es gibt viele Menschen, die Guten Willens sind, wenn sie Vertrauen haben, dass Hilfe auch ankommt. Ich möchte an dieser Stelle auch allen Menschen aus der Schweiz herzlich danken. Ohne die Treue und das Vertrauen der Freunde der Armen, in all den Jahren, wären wir heute nicht dort, wo wir jetzt sind. Wir freuen uns über jede Form der Unterstützung. Sei es durch ein finanzielles Opfer, oder aber auch durch ein Gebet.
Auf der Homepage unter: www.calcutta-schule.de kann man gerne mehr erfahren. Durch die vielfältigen Aktivitäten könnt ihr alle sehen, wie nötig und vielfältig die Hilfe im Zusammenhang mit unserem Grundauftrag der Schule ist. Die Bildung ist für uns das Wichtigste. Hier sind die Lehrer durch ihr grosses Engagement und stetiger Verbesserung der Lehrqualität ein echter Meilenstein. Ohne Bildung haben die Kinder eine schreckliche Zukunft zu erwarten. Eine Zukunft, die wir uns lieber nicht vorstellen, so hart ist sie. Uns ist aber allen bewusst, dass wir nur ein kleiner Tropfen in diesem Ozean der Armut sind. Dennoch werden wir nicht müde, weiter für die von Leid und Elend gekennzeichneten Kinder und deren Familien einzustehen. Ich möchte euch allen sagen, dass wir natürlich in erster Linie einen Auftrag für die Bildung der Kinder haben. Jedoch wird immer deutlicher, dass wir dieses Thema nicht isoliert von den anderen wichtigen Lebensthemen betrachten können. Einem Kind nützt die Bildung in der Schule nichts, wenn es nicht ausreichend zu essen hat. Auch nützt dem armen Kind die Bildung nichts, wenn es aufgrund einer Augenerkrankung erblindet, oder aufgrund der Tuberkulose stirbt. So fallen immer vielfältigere Aufgaben für uns alle an, damit wir den Kindern langfristig helfen können. Diese vielfältigen Zusatzaufgaben, die ich kurz angesprochen habe, sind in unserer jährlichen Ausgabenplanung nur teilweise berücksichtigt. Wir können dies nur immer wieder tun, weil es immer überraschende Einzelspenden gibt, die besonders auch für medizinische Hilfe gegeben werden.

Ich möchte euch nun auf den nächsten Seiten gerne einige Bilder zeigen und an dieser Stelle euch alle in den Arm nehmen von den Kindern und den Lehrern. Ohne eure Hilfe wären viele Tränen nicht getrocknet worden. Tränen haben sich vielfach in ein Lächeln verwandelt und in Hoffnung dank eurer Liebe und eurer Opfer. Vielen Dank an all diejenigen, die zu diesem kleinen, jedoch wunderbaren Werk beitragen.





Die mitgebrachten Spiele machen allen Kindern grosse Freude und wir hatten viele schöne gemeinsame Stunden.




Dieses Kind ist mit 5 Jahren das Jüngste in der Schule. Die erste Zeit war dieses Mädchen häufig krank. Aufgrund der täglich warmen Mahlzeit und der Freude an der Möglichkeit der Schulbildung wird es ihr bald besser gehen.




Nach wie vor stimmt der Ausspruch: “Ein leerer Magen hat keine Ohren.“ Wie schön ist es, dass die Kinder täglich in der Schule eine vollwertige Mahlzeit essen können. Das tägliche Brot ist in den Familien ein Fremdwort.




Die Kinder danken im Gebet für das tägliche Brot.




Hier kann man Kajol sehen. Ich habe im Bericht über ihre Verbrennungen geschrieben und auch über die Hilfe, die für sie möglich wurde. Sie kann jetzt den Hals wieder frei bewegen.




Unsere Schulleitern Veronika besucht Rohan. Veronika ist eine echte Perle. Sie gibt ihr ganzes Herz für die Armen. Er wurde an seiner rechten Hand kostenlos operiert von deutschen Ärzten. Er kann seine Hand nun wieder voll einsetzen, das ist wunderbar.




Diese Frau hat eine seltene Erkrankung, die leider vererbbar ist, doch nicht heilbar. Sie und ihre Tochter, die diese Erkrankung auch hat, sind bei uns im Nahrungsmittelprogramm. Ihre Tochter hat ein Kind bei uns in der Schule.
Mutter Teresa sagte: “Die Armen sind nicht dazu da, dass sie uns finden, sondern dass sie wir finden.“ In Kalkutta habe ich alle 105 Familien die wir unterstützen persönlich im Slum besucht und wir haben dann gemeinsam mit Veronika in der Schule die Hilfe für das kommende Jahr besprochen.






Die Schneiderinnen sind sehr glücklich und stolz über ihren Abschluss. Sie haben nun die Möglichkeit, mit diesem Beruf ein besseres Einkommen zu erzielen. Viele von ihnen verdienen nun 50 Euro im Monat. Das reicht aus, um dreimal am Tag zu essen und auch mal zum Arzt zu gehen.




Mit diesem schönen Bild von unseren Schulkindern, die ich auch immer wieder zu Hause besuche, möchte ich mich verabschieden. Es ist doch grossartig zu wissen, dass diese Kinder eine Zukunft vor Augen haben, die nicht mehr von Ausbeutung und Unterdrückung geprägt sein wird, dank euch allen! Wenn ihr wüsstet wie sehr ihr geholfen habt, würdet ihr vor Freude weinen. Es ist schön, dass ihr über all die Jahre dieses sinnvolle Projekt unterstützt. Ich freue mich schon jetzt darauf, auch im nächsten Jahr wieder nach Kalkutta zu gehen für unser Projekt, die St. Josef-Schule. Ich fliege am 28.04.2014.

Ich möchte euch nun allen einen besinnlichen Advent wünschen, gnadenreiche Weihnachten und Gottes Segen für das Neue Jahr 2014.

Familie Marcus Pohl
In den Linden 15
D-78359 Orsingen
Telefon: 07774/922897 (am besten zwischen 20 und 22 Uhr)
E-Mail: pohl-marcus@web.de

Gerne gebe ich euch in diesem PDF noch einen Einblick in die Ausgaben des Jahres 2013: zu den Ausgaben 2013